Eric Fish

10. März 2007
Schuhfabrik, Ahlen
Zu den Fotos vom Konzert
Zum dritten Mal besuchte Eric Fish die Schuhfabrik in der ehemaligen Zechenstadt Ahlen und zum
dritten Mal bedeutete das auch für mich: Hinpilgern zur Stammkneipe meiner Jungendzeiten
(ok, das ist eigentlich erst 3 Jahre her…)!
Eric Fish solo verspricht immer einen Abend voll feinstem Folk und Songs in bester Liedermacher-
Tradition. Eric, sonst bekannt als Sänger des erfolgreichen Mittelalterrock-Septetts "Subway to Sally",
geht mit dabei mit seiner Musik zurück zu den Wurzeln von Subway (man denke an deren erstes Album
"1994"). Von dort aus schlägt er zusammen mit seinen Freunden und Musiker-Kollegen Uwe Nordwig,
Rainer Michalek, sowie Gerit Hecht eine neue musikalische Richtung ein.
Gegen 20.00 Uhr sollte das Konzert im Saal der Schuhfabrik losgehen. Etwa 300 Musikfreunde
hatten sich zu diesem Zeitpunkt eingefunden und es sich auf dem Fußboden des Saals auf Matten
und Decken gemütlich gemacht. Bei einer zu erwartenden Spielzeit von mehr als vier Stunden und
Musik, die vor allem zum Zuhören und Mitdenken, statt zum Tanzen gemacht ist, die wohl beste Art
den Abend zu genießen. Kurz darauf erschienen Eric und seine Kollegen dann auch durch die
Backstage-Tür im hinteren Bereich des Saals und bahnten sich ihren Weg durch die wartenden Fans
(In der Schuhfabrik gibt´s Musiker noch zum Anfassen und in die Augen blicken!). Eric war sichtlich
guter Laune und ließ sich schon auf dem Weg zur Bühne zu Kommentaren über das gut aussehende,
natürlich weibliche, Publikum hinreißen.
Das versprach einen unterhaltsamen Abend und wahrlich, wir sollten nicht enttäuscht werden.
Nach dem Opener "Steh auf!" vom neuen Album "Gegen den Strom", gab es gleich eine Neuerung im
traditionellen Konzertablauf. Dazu muss man wissen: "Zugabe"-Rufe sind sowohl bei Subway to
Sally-, als auch bei Eric Fish-Konzerten eine Seltenheit. Bei Subway to Sally übernimmt das
legendäre "Julia und die Räuber" die gleiche Aufgabe - nach einigem Skandieren des Songs durch
das Publikum sorgt es für die weitere Runde Musik. Bei Eric Fish war es bisher die "nonverbale
Hymne" vom ersten Eric Fish-Album (gesungen im 3/4-Takt). Mit Veröffentlichung des neuen, dritten
Albums wurde diese Hymne nun ersetzt und etwas schneller und schwieriger gestaltet (im 4/4-Takt).
Erste Vermutungen des umstehenden Publikums, Eric und seine Freunde wollten mit dem schwierigeren
Gesang den Zugabeteil abkürzen, konnten nicht bestätigt werden - geklappt hat es jedenfalls nicht!
Danach begannen die Musiker aus dem Vollen ihrer Kompositionen zu schöpfen und spielten ein
abwechslungsreiches Programm aus Stücken des neuen Longplayer "Gegen den Strom" und den besten Songs
ihres bisherigen Schaffens. Von Anfang an hatte sie dabei das Publikum fest in ihrer Hand, das nach
kürzester Zeit frenetisch mitklatschte, mitsang - kurzum: mitfeierte. Ob bekannte Lieder wie
"Gedankenhaus" oder "Träumfänger", oder Stücke vom neuen Album, wie "Der Zocker" oder
"Lass uns Teilen!", die Stimmung wurde immer gelöster und ausgelassener. Besonders umjubelt
wurden erwartungsgemäß Stücke wie "Anders sein" oder natürlich "Glotze". Wer schon einmal seine
Meinung (respektive seine Wut) zum ganzen Casting-Mist im Fernsehen unserer Zeit zum Ausdruck
bringen wollte: "Glotze" ist euer Lied, Leute!
Dazwischen gaben Eric und seine Freunde immer wieder für sie bedeutende Songcover zum besten,
zum Beispiel von "Winchester Cathedral", im Original von The New Vaudeville Band, "Behind Blue
Eyes" von The Who oder "The Joker" von der Steve Miller Band, die genauso bejubelt wurden,
besonders natürlich von den älteren Semestern im Saal, die die Originale noch erlebt haben.
Dazwischen eingestreut natürlich immer wieder Anekdoten aus dem Musikerleben der Vier, die für die
ein oder andere Erheiterung sorgte.
Während des ganzen Konzerts ließen sich die Musiker dabei weder von kurzseitigen Technikproblemen
noch von gerissenen Saiten aus der Ruhe bringen. Einen schnellen Spruch hier und eine kurze Absprache
und dann ging es auch schon wieder (mit einem Musiker weniger, der fachmännisch das aufgetretene
Problem beseitigte) weiter.
Auch von mehreren knapp gekleideten, weiblichen Fans in der ersten Reihe ließ sich Eric nicht
ablenken. "Ich muss immer woanders hinschauen, damit ich nicht aus dem Konzept komme" bemerkte
Eric zwischen zwei Stücken, was mit einem wohlmeinenden "Anziehen!" aus dem Publikum beantwortet
und mit allgemeinem Lachen quittiert wurde.
Als es dann nach viel zu schnell vergangenen drei Stunden zum ersten Mal "Auf Wiedersehen" hieß
(beantwortet von einem vielstimmigen "Bis Morgen!", mit dem eine Reihe Fans wohl ankündigen wollte,
dass sie auch beim Auftritt am nächsten Tag in Osnabrück anwesend sein würde), war allen klar -
das ist noch lange nicht das Ende. Erst zwei Zugaben und eine Zigarettenpause später entließen die
Fans etwa gegen 0.30 Uhr die vier Musiker endgültig von der Bühne - freilich nur sehr widerwillig
und mehr getrieben als bereitwillig!
Abschlussbemerkung?
Was ein Konzert! Nicht, dass Eric nicht dafür bekannt wäre ein exzellenter Entertainer zu sein
und seine Musik, ehrlich, authentisch und emotional, nicht auch so schon mitreißend ist. Dieses
Konzert hatte wirklich alles, was sich ein Fan und Konzertbesucher wünschen kann!
Beste Gitarrenmusik, ehrliche Emotionen, Musiker ohne jede Starallüren Auge in Auge mit ihrem
Publikum, spontane Gesangseinlagen der Fans (auch über das Zugabe-"dadadei" hinaus), Lachkrämpfe
im Publikum und auf der Bühne, "Pyroeffekte" - das Ganze in einem Saal, der aufgrund seiner Größe
beste anheimelnde Clubatmosphäre aufkommen ließ.
Ich werde noch lange an dieses Konzert zurückdenken und freue mich schon darauf, wenn es
hoffentlich auch im nächsten Jahr wieder in Erics Cover von Bob Segers "Turn the Page" heißt
"On a long and lonesome highway, east of Ahlen / you can listen to the engines moaning out its
one lone song."
Aiko
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